FMG - Förderkreis für Mythologisches Gedankengut e.V.

Veranstaltung in Hamburg

Samstag, 26. September 2026, 19:30 Uhr

INDIVIDUATION 

Von der Neurose zur Selbstfindung

Gabriele Quinque

Zum Zeichen seines übergeordneten Auftrages wird das Haupt des persischen Gottessohnes Mithra von Sonnenstrahlen umrahmt. Eine ähnliche solare Symbolik krönt Jesus Christus mit dem Heiligenschein. Nur eine Inkarnation von vollständiger Individualität wird in Mysterienkulten als kompetent genug betrachtet, den Sieg des Geistes auf Erden durch religiöse Kulte zu festigen. Der Begriff Individuation wurde geprägt von dem Psychoanalytiker Carl Gustav Jung. Individualisiert nennen wir einen authentischen Menschen, der auf inneren und äußeren Ebenen als derselbe agiert. Genau zu meinen, was man sagt und darstellt, bedeutet frei zu sein von Selbsttäuschung und anderen blinden Flecken in der Psyche. In seinem Ichpanzer gefangen, glaubt erst einmal jeder Mitmensch authentisch zu sein. Dieser Selbstbetrug stellt jedoch das größte Hindernis für eine geglückte Individuation dar. Die geglückte Persönlichkeitsentwicklung setzt voraus, den persönlichen Lebensauftrag gefunden zu haben und diese Verpflichtung sich selbst gegenüber Tag für Tag kompromisslos zu erfüllen. Was sich so einfach und logisch anhört, erfordert freilich einen lebenslangen Prozess des Ringens um die individuelle Destination des eigenen Erdenlebens. Deshalb bezeichnete C.G Jung die Störung auf dem Weg zur Individuation als Neurose. Seine Aussagen führen Betroffene, die es versäumen, diese Gedanken weiter zu erforschen, in Minderwertigkeitskomplexe, was ihren Lebensauftrag eher einmauert, anstatt ihn zu entfalten. In diesem Vortrag erinnern wir uns mit Freude an den Diplompsychologen Thorwald Dethlefsen. Von ihm stammt die bemerkenswerte Ansicht, dass der Neurotiker bereits „mehr gesehen“ habe als der gewöhnliche Mensch. Die berührte Wirklichkeit in seinem Inneren sei aber noch fremd oder sogar unerträglich, weshalb seine im Wesentlichen großartige Erkenntnis zu einem „Gift der Wahrheit“ geworden sei und sich als Neurose äußern würde. In diesem Sinne dürfen wir die Neurose als geheimnisvollen Boten verstehen, der uns auf unterbewusste Erkenntnisse hinweist, die es wert sind, gehoben und kultiviert zu werden. Richtig verstanden, wandelt sich die Neurose zu einem Herold, der den göttlichen Funken in uns entfacht und die Pforte zu den Mysterien eröffnet. Der Pfadwanderer empfängt dann den Lebensauftrag in einem höheren Kontext und findet Einlass im Innenhof seiner Erkenntnis, umringt von den sieben Säulen der Hermetischen Philosophie – worauf aus der Neurose eine neue Rose erblüht.

Sehr schöne rote Rose freigestellt auf weißem Grund

Ort: Logenhaus, Moorweidenstraße 36, 20146 Hamburg

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich!

Die Veranstaltung ist kostenlos.